
Matthias Plötz von den Graz Dirty Sox war dieses Jahr auf Austausch in Oregon und hat während der College Saison mit den Bearcats gespielt. Vor fast 10 Jahren musste er wegen einer Schulterverletzung um seine Karriere bangen, er konnte den Rückschlag ohne gröbere Probleme überwinden und war seit dem des Öfteren im Nationalteam tätig. Dieses Jahr wagt er erneut einen Schritt nach vorne, einen Schritt der erneut mit Schwierigkeiten verbunden ist. Aber nichts was eine Socke zurückschreckt… vorallem eine dreckige nicht.
Wie fühlt man sich als Bearcat?
Anfangs wusste ich nicht, was es bedeutet ein Bearcat zu sein. Viele Leute am College sind Teil von den Sportteams und alle tragen die Outfits ihrer Mannschaften. Als ich dann zum ersten Mal die Shirts und Sweaters des Baseballteams trug, wusste dann jeder wo ich hingehöre. Als Bearcat ist man aber zu allererst Student. Man ist erst in zweiter Instanz Athlet. Viele Studenten am College haben wenige Erwartungen bezüglich der Sportteams, weil es ja nur NCAA Division 3 ist. Es wird viel über Sportprogramme an Universitäten geredet und man hat meist ein einfaches Schwarz-Weiß Schema. Entweder legen Universitäten viel Wert auf Sport, oder auf Bildung. Willamette University rühmt sich akademisch sehr gut zu sein, deshalb sehen sie viele die Sportprogramme als nicht wichtig an.
Du schreibst als Pitcher durftest du keine Schläger angreifen, hast du trotzdem die Zeit gefunden auch an deinem Batting zu arbeiten? Und in welchem Bereich konntest du dein Spiel am meisten verbessern?
Ich begann im Winter überzeugend als Pitcher, deshalb war ich das dann auch für den Rest meiner Zeit hier. Ich war aber auch gut im Outfield und im Wintersemester durfte ich bei den Scrimmages des Öfteren schlagen. Da wir jedoch 6 Outfielder im Team hatten und ich als Starting-Pitcher gehandelt wurde, kam ich immer weniger zum schlagen. Ich durfte aber die ganze Saison lang immer wieder bei der Batting Practice den Schläger schwingen und hatte auch Zeit in den Cages an mir zu arbeiten. Am meisten verbessert hab ich aber mein Pitching, technisch wie auch taktisch. Ich verstehe jetzt viel besser, dass Genauigkeit einfach alles ist. Es geht nicht nur darum Strikes zu werfen, sondern wo und wie man sie wirft.
Von deinem physischen Spiel abgesehen, konntest du auch dein Spielverständnis und deine Baseball Instinkte erweitern? Hat es dir weiter geholfen mehr unter Druck zu trainieren und ‘Pressure-situations’ zu bewältigen in die du durch den Sprung ins College geraten bist?
In meiner bisherigen Baseballkarriere war ich immer Fixstarter oder zumindest entscheidender Faktor im Team. Am College musste ich zum ersten Mal erleben was es bedeutet ein Wochenende nach dem anderen nicht eingesetzt zu werden. Es war schwierig motiviert zu bleiben und im Training alles zu geben. Ich hatte immer das Gefühl die Trainer denken nicht an mich. Ich musste lernen was es bedeutet beizutragen ohne zu spielen. Im Laufe der Saison musste ich meine Ziele neu formulieren und es fiel mir schwer nicht aufzugeben. Aber, ich habe sehr viel über mich als Spieler gelernt und welche Art von Trainer meiner Persönlichkeit entgegen kommt.
Worin lag für dich der größte Unterschied vom Austrian Baseball zum Willamette Baseball? Game-Speed, Training, Mentalität, Talent, die Gegner?
Der größte Unterschied zwischen Baseball in Österreich und Willamette war das Verhältnis zwischen Zeitaufwand und Zeitnutzen. Wir hatten 40 Spieler im Team und 18 davon waren Pitcher. Batting Practice und Bullpens dauerten ewig für mich. Ich musste wesentlich mehr Zeit für Baseball investieren, hatte aber immer wieder das Gefühl weniger Zeit zu haben als in Österreich, wirklich an mir zu arbeiten.
Das Talent der Spieler hier war sehr hoch und die Motivation vieler davon enorm. Allerdings war ich enttäuscht von den körperlichen Fähigkeiten vieler Spieler. Es wurde wenig Wert auf Schnelligkeit und Ausdauer gelegt. Der Trainingsschwerpunkt über den Winter war Krafttraining. Außerdem war ich überrascht, dass beim werfen kein Wert auf ‚long-toss’ gelegt wurde. Die meisten Spieler warfen beim Aufwärmen nie weiter als Basedistanz.
Im Sommer wirst du mit den Metrostars zum Europacup fahren, wo kannst du ihnen mehr helfen, Schlagen oder Pitchen? Wo liegen jetzt mehr deine Stärken. In deiner bisherigen ABL Karriere hast du mehr als Batter ins geschehen gegriffen. In deinen zwei Jahren ABL kamst du auf eine .330 Batting Average mit 3 Homeruns und 24 Stolen Bases, sowohl Average und Speed als auch Power. Hat sich das mit deinem Pitching-lastigen Training in den USA geändert?
Ich muss leider sagen, dass meine physischen Fähigkeiten unter dem Training hier litten. In der Tat hab ich außer viel Pitching wenig Feldpraxis bekommen. Meine Stärken liegen im Augenblick sicher am Mound. Ich fühl mich aber immer noch als echter Outfielder und ich hatte die Chance mit dem Hitting Coach zu arbeiten. Ich werde wieder viel Zeit dem Batting widmen und weiß jetzt woran ich arbeiten muss um mehr Power in meinen Schwung zu bekommen.
Wenn du an dein Auslandsjahr zurück denkst, was war der Baseball-Moment an den du dich als erstes erinnern wirst? Wenn du in 5 Jahren jemanden über dein Jahr am Willamette College erzählen wirst, was kommt dir als erstes in den Sinn?
Der erste Moment an den ich mich erinnern werde, ist eine Bullpen-Session während des Wintertrainings. An diesem Tag lief alles wie von der Hand. Es war eines dieser berühmten Flow-Erlebnisse. Ich warf alle meine Pitches hart, genau und mit viel Movement. Ich war so stark, dass andere Spieler ihre Übungen stoppten um mich zu sehen. An diesem Tag wäre ich unschlagbar gewesen.
Freust du dich wieder auf die ABL?
Ich würde sehr gerne wieder ABL spielen. Leider weiß ich nicht wie realistisch meine Chancen sind dieses Jahr tatsächlich noch zu spielen. Die nahesten ABL Vereine sind in Wien und ohne am Training teilzunehmen wird kein Coach glücklich sein mich spielen zu lassen. Außerdem ist es finanziell ein großer Aufwand immer wieder weite Anreisen zu tätigen.
Wie schaut’s mit National Team aus? Du warst nie bei einem großen Bewerb dabei, kribbelt es schon im Bauch?
Ich will auf jeden Fall im Nationalteam spielen, und werde weiter hart arbeiten um meinen Teil beitragen zu können. Ich will endlich mal zu einem großen Turnier fahren und hoffe, dass es dieses Jahr klappt.
Sobald du wieder in Österreich bist, bei welchem Team würdest du gerne Spielen? Zieht es dich in die oberen Ligen, oder bleibst du den Sox treu und versucht sie weiter aufzubauen?
Ich würde gerne ABL spielen, werde es mir leider nicht leisten können. Jedes Wochenende alleine anzureisen würde zu viel Geld verschlingen. Ich werde daher meinen Focus auf Graz legen. Wir haben eine junge Mannschaft mit viel Potential. In den letzten Jahren haben immer wieder viele Spieler aus Graz ABL für die Diving Ducks gespielt. Leider hat diese Kooperation mehr Schaden angerichtet als Vorteile gebracht. Die Erfahrungen aus der Kooperation mit Wr.Neustadt haben mir gezeigt, dass es schwierig ist Mannschaften zu mischen und viel zu reisen nur um ABL zu spielen. Ein starkes Team in Graz hilft Baseball Österreich weit mehr. Auch mir als Spieler kann es nur ein Anliegen sein den Verein bei mir um die Ecke in die ABL zu führen. Gebt mir nur ein bisschen Zeit und die Sox werden wieder ABL spielen.
Note: Die Bearcats beenden ihre Saison mit einem 20-20 Record an fünfter Stelle in der Northwest Conference. Willamette College Baseball Website






Von wem ist hier die Rede ? Leider wird kein Name genannt …
By: Matthias Lechner on May 15 08
at 22:10
Danke Matthias! Is mir entgangen. Hab jetzt eine kurze Intro dazugeschrieben.
Auf der Roster Seite (link ganz unten) steht sogar seine Österreichische Postleitzahl:D
By: coverguy on May 15 08
at 22:24